Pferdeverhalten: Sie reden unentwegt...

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Pferde sind echte Plaudertaschen. Ständig am Erzählen: „Was ist denn da los?“, „hmmm, das gefällt mir.“, „lass mich in Ruhe!“ oder „mir tut was weh!“. Um sie zu verstehen brauchen wir jedoch weniger die Ohren, als vielmehr unsere Augen, denn: Pferde unterhalten sich überwiegend mit ihrem Körper, nicht mit der Stimme. Jeder überflüssige Laut könnte in freier Wildbahn Raubtiere auf sie aufmerksam machen und so genießen und leiden Pferde eben stumm. Ausnahmen machen vor allem domestizierte Pferde vor allem, wenn sie Kontakt zu Artgenossen suchen. Je nach Anlass wiehern sie dann in diversen Varianten: Zart kollert die Stute bei der Begrüßung, herrisch schreit der Beschäler mit entblößten Hengstzähnen, die beim freundlichen „Hallo“ eines Neuankömmlings natürlich anständigerweise verdeckt bleiben. Ohne Körpersprache läuft bei Pferden wirklich gar nichts und daher können sie auch niemals „nicht“ kommunizieren!

Da gibt es unwillig verkniffene Maulwinkel und Nüstern, oder genussvoll verlängerte Oberlippen, z.B. beim Wälzen. Das selbe lustvolle Gesicht zeigt auch der Hengst beim Anblick einer paarungsbereiten Stute! Offensichtlich existieren einige Parallelen in der Gefühlswelt von Mensch und Pferd. Vielleicht erwarten deshalb erschreckend viele Reiter von ihrem Pferd allen Ernstes, dass es die menschliche Sprache versteht. Sie selbst haben jedoch so gut wie keine Kenntnis tierischer Kommunikationsgrundlagen.

Gut erkennbar sind die beweglichen Ohren. Sie signalisieren die Richtung der Aufmerksamkeit. Neugierig gespitzt, unsicher hin- und her spielend oder müde herunterhängend dienen sie als eine Art Stimmungsbarometer. Angelegte Ohren und drohend gebleckte Zähne versteht so gut wie jeder. Wie uns wohl Pferde in diesem Punkt wahrnehmen? Schließlich laufen wir ein Leben lang mit angelegten Ohren herum...

Pferdeaugen ermöglichen nahezu 360 Grad Rundumsicht. Sie gehören zu den größten und ausdrucksvollsten im ganzen Tierreich und sprechen wieder eine eigene Sprache: Neugieriges Spähen, ängstliches Aufreißen, drohendes Rollen, müdes Blinzeln oder dumpfes, resiginiertes Leiden. Diesen ausdruckslosen Blick sieht man nicht nur bei kranken, sondern oft auch bei Tieren, von denen ständig Höchstleistungen gefordert werden. Ihre Augen unterscheiden sich wesentlich von denen eines entspannten und zufriedenen Pferdes.

In der Herde weiß jedes Mitglied genau, wo sein Platz in der Hierarchie ist. Kleine Gesten, ein Blick, Ohrenwackeln, Kopf- und Halshaltung, Schweifschlagen oder Nüsternkräuseln, genügen in der Regel, um sich zu behaupten. Echte Auseinandersetzungen werden nur in letzter Instanz mit Körperkontakt durchgeführt.

Sie sehen: Pferde „reden“ wirklich ununterbrochen, aber nicht alle ihre Fans machen sich auch die Mühe, ihnen dabei „zuzuhören“, pardon, „zuzusehen“! Bei meiner Arbeit gehört das allerdings zum wichtigsten Handwerkszeug. Mit Hilfe seiner Körpersprache antizipiere ich das Verhalten eines Pferdes und stelle mich dann samt Kamera darauf ein. Denken und Fühlen wie ein Pferd sind beste Voraussetzungen für gelungenen Aufnahmen.

Professionelle und registrierte User finden weitere Verhaltensbilder im Bildarchiv unter "Schlüsselwörter" und dann "Verhalten"

Portfolio by Christiane Slawik on Sa, 09/04/2010 - 17:54