Kladruber: Pompöse Rappen und Schimmel

Bilder 
63

Die pompösen Alt-Kladruber Pferde gelten heute als tschechisches Kulturgut und waren mit zwei Hengstlinien maßgeblich an der Entwicklung der Lipizzaner beteiligt. Kladruber sind repräsentative, rahmiges Kutschpferde mit höchstmöglichem Adel, die jeweils für weltliche oder klerikale Anlässe beim Habsburger Hof in schwarz und weiß gezüchtet wurden. Bereits 1579 machte Rudolf II. von Habsburg das abgelegene Kladrub, 75 km östlich von Prag (und damit in der Nähe des wichtigsten mitteleuropäischen Hofes seiner Zeit) zum Gestüt. Damit sind die Alt-Kladruber die älteste, planmäßig gezüchtete Kulturpferderasse der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie.
Sie erlebte ihren Höhepunkt in dieser Zeit (1720-1780) und sind sehr wohl mit allen künstlerischen Errungenschaften des Rokoko zu vergleichen. Ihre imposante Aufmachung verdanken sie unter anderem einem Gardemaß von knapp unter 1,70m. Tatsächlich überwiegen bei den meisten Vertretern der Rasse die Wagenpferdepoints, aber sie deswegen als „Kutschgäule“ abzutun- damit wird man diesen gewaltigen Pferden mit ihren erhabenen, kadenzierten und dabei noch weit ausgreifenden Bewegungen nicht gerecht. Die ehemaligen Gala-, Kutsch- und Paradepferde des kaiserlich-königlichen Hofes zu Wien sind spätreife, aber sehr langlebige, große, starke Pferde mit feurigem, energischen Temperament, sowie einem angeborenen, spektakulären Imponiergehabe. Hinzu kommt der unglaubliche gutartige, nervenstarke Charakter- schließlich war ein durchgehendes Gespann keinem k.u.k. Monarchen zuzumuten!

Einmal in Bewegung entwickeln Kladruber eine unbeschreibliche, geradezu majestätische Präsenz- egal ob frei laufend, unterm Sattel oder im Geschirr. Ihr langer, ausdrucksvoller Ramskopf ist ein typisches Rassemerkmal und ausdrücklich im Zuchtziel verankert. Stirn und Nasenrücken sind gewölbt und bilden im Profil ein oder zwei konvexen Kurven. Eine besonders feine Behaarung rund um die lebhaften Augen und beweglichen Nüstern betont den rundum noblen Gesichtausdruck, wobei die Rappen in der Regel aufgrund kleinerer Augen und Nüstern etwas derber wirken können. Gewaltige Hälse münden über gut ausgeprägte Widerriste in lange, elastische Rücken, breite Lenden. Das erhöhte Kreuzbein lässt die muskulösen, etwas kurze Kruppen sehr gerade erscheinen, der Schweif ist hochangesetzt und wird schön getragen. Typisch sind die abstehenden Ellebogen am Ende der steilen Schulter: Eine hohe Aktion ist damit per Skelett vorprogrammiert. Relativ lange Röhren, gelegentlich etwas weiche Fesseln sowie große, widerstandsfähige Hufe prägen die kräftigen Extremitäten.

Professionelle, angemeldete User finden weitere Kladruberbilder im Bildarchiv unter "Rassen".

Portfolio by Christiane Slawik on Do, 08/26/2010 - 17:27